LOKALMIX
Abenteuerspielplatz: Tatverdächtige im Visier
Lindlar – Im Rathaus hat gestern eine Informationsveranstaltung stattgefunden – Die Staatsanwaltschaft Köln hat die Ermittlungen übernommen.
Im Lindlarer Rathaus hat gestern eine Veranstaltung zum arg beschädigten Abenteuerspielplatz im Freizeitpark stattgefunden. Doch entgegen der großen Empörung, die es vor allem in den ersten Tagen nach den Beschädigungen gab, schien das Interesse an der gestrigen Veranstaltung eher gering zu sein. Zusammen mit vier Kollegen aus der Verwaltung informierte Bürgermeister Sven Engelmann über den aktuellen Sachstand, geltende Regularien sowie Möglichkeiten, die man bei der Gemeinde sieht. Dem Team aus dem Rathaus saßen gerade mal elf Personen gegenüber – aus der Politik, von Vereinen, der Kreissparkasse und der Volksbank sowie von der Presse. „Das ist etwas außerhalb der Erwartung“, sagte Engelmann.
Wie berichtet, wurden in der Nacht von dem 14. auf den 15. Januar Teile des Abenteuerspielplatzes zerstört. „Als wir zu dem Tatort kamen, hat mich wirklich der Schlag getroffen. Sowas habe ich in der Gemeinde noch nicht gesehen“, sagte Engelmann. Durch die Spurenlage war eindeutig zu sehen, dass das nur mutwillig hat geschehen können. Eine erste Schätzung der Polizei belief sich auf einen Schaden von etwa 30.000 Euro. „Da dachte ich, das ist noch zu meistern. Aber es wurde dann immer mehr“, bedauerte der Bürgermeister – vor allem mit Blick auf die Haushaltslage der Gemeinde. Nach der Zerstörung seien in der Gemeinde viele Emotionen hochgekommen. „Viele verbinden eine ganze Menge mit diesem Abenteuerspielplatz.“ Aber es sei auch Druck entstanden und der Eindruck vermittelt worden, die Verwaltung sei nicht schnell und nicht kompetent genug. „Wir sind gewissen Regularien unterworfen“, betonte der Bürgermeister ein weiteres Mal.
Sebastian Fechner vom Sozialamt sagte, dass eine Reparatur der Geräte ausgeschlossen werden könne. Die Schäden – insbesondere an den Fundamenten – seien dafür zu groß. Um zu ermitteln, was der Ersatz der beschädigten Spielgeräte kosten würde, hat er die jeweiligen Hersteller um Angebote gebeten. Demnach seien für die Demontage, Montage und Neuanschaffung des großen Spielturms circa 80.000 Euro fällig. Ein Ersatz für die Doppelschaukel würde 8.000 Euro kosten und ein neuer Spielturm 10.000 Euro – inklusive Abbau und Aufbau. Die Schwingschaukel sei laut Gemeinde veraltet, das Verletzungsrisiko zu hoch. Als Alternative dazu käme eine Nestschaukel infrage, die weitere 8.000 Euro kosten würde. Insgesamt liegt man so bei 106.000 Euro. „Aber das heißt nicht, dass es das kosten wird“, sagte Fechner. Es sei durchaus möglich, dass der Wiederaufbau günstiger ausfalle.
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[Auch der kleine Spielturm wurde beschädigt.]
Laut Fechner soll die Polizei drei tatverdächtige Personen im jugendlichen Alter im Visier gehabt haben. Die Ermittlungen wurden mittlerweile von der Staatsanwaltschaft Köln übernommen. Auf Nachfrage von OA teilte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer heute mit, dass sich das betreffende Ermittlungsverfahren insbesondere gegen zwei männliche 17-Jährige richte. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, am 14. Januar dieses Jahres „von einer Baustelle in Lindlar einen Radlader sowie Bauwerkzeuge von erheblichem Wert entwendet zu haben. Anschließend sollen sie mit dem Radlader zu dem betreffenden Spielplatz gefahren und dort Spielgeräte mutwillig zerstört haben. Danach sollen sie an der Lindlarer Bahntrasse Holzbänke eine Böschung hinuntergestoßen haben.“
Dem Oberstaatsanwalt zufolge seien Durchsuchungen durchgeführt worden. Beweismittel wie etwa Mobiltelefone seien beschlagnahmt worden, um so den genauen Tatablauf und die jeweiligen Tatbeteiligungen aufklären zu können. Von einem sehr hohen Sachschaden – möglicherweise im sechsstelligen Bereich – sei auszugehen. „Ermittelt wird insbesondere wegen des Verdachts des Diebstahls im besonders schweren Fall sowie gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Einer der Beschuldigten befindet sich wegen einer anderen ihm zur Last gelegten Tat in der Justizvollzugsanstalt“, erklärte Bremer. Weitere Informationen könne er derzeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht mitteilen.
In Lindlar scheint der Wunsch groß zu sein, dass der Abenteuerspielplatz wieder so hergerichtet wird, wie er vor der Zerstörung war. Konzeptionelles war gestern aber noch nicht Thema. Fakt ist, dass die Politik sich dazu beraten und letztlich eine Entscheidung treffen muss. Besprochen werden soll das Thema nicht zuletzt im Sozialausschuss. Aktuell liege der Spendenstand bei rund 30.058 Euro. Bei dem Verein Laberköppe seien bislang rund 9.058 Euro eingegangen und bei der GoFundMe-Kampagne sind über 17.500 Euro zusammen gekommen. Etwa 3.500 Euro seien auf weitere bekannte Großspenden und Sammelaktionen zurückzuführen. Wer die Gemeinde bei dem Wiederaufbau des Spielplatzes unterstützen möchte, kann dafür folgendes Spendenkonto nutzen.
Name: Laberköppe e.V.
IBAN: DE66 3706 9125 7123 1270 00
BIC: GENODED1RKO
Stichwort: Spende Abenteuerspielplatz Lindlar
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