POLITIK
„… sonst fliegt uns das System um die Ohren“
Oberberg – Finanzausschuss des Kreises gibt Beschlussempfehlung für neue Rettungsdienstgebührenordnung – Landrat Grootens hält Diskussion um Standards für dringend notwendig.
Von Lars Weber
Vor zwei Wochen verkündete der Oberbergische Kreis, dass mit den Krankenkassen eine Lösung in der Auseinandersetzung um die Rettungsdienstgebühren ausgehandelt wurde. Zwar gibt es beim Streitpunkt Fehlfahrten weiterhin sehr konträre Ansichten, allerdings wurde ein Entwurf für eine neue Gebührenordnung so angepasst, dass Krankenkassen und auch der Oberbergische Kreis damit leben können (OA berichtete). Die Verwaltung ist zuversichtlich, damit den Aufwand fast vollständig decken zu können. Nun fehlt nur noch die Zustimmung der Politik, um die alte Gebührenordnung aus dem vergangenen Jahr, die von den Krankenkassen nicht akzeptiert worden war, aufzuheben – und die neue Gebührenordnung rückwirkend in Kraft treten zu lassen. Der Finanzausschuss hat bei seiner aktuellen Sitzung einstimmig eine Beschlussempfehlung gegeben. Die finale Entscheidung trifft der Kreistag bei seiner Sitzung am Donnerstag.
Zum Finanzausschuss war Landrat Klaus Grootens persönlich erschienen, um auf die intensiven Verhandlungen in den vergangenen Wochen und auf die Situation in den vergangenen gut anderthalb Jahren zurückzuschauen. Die wichtigsten Ergebnisse, die ein positiver Beschluss der Politik zur Folge hätten, fasste er dabei zusammen. „Zuvorderst vermeiden wir es, die Patientinnen und Patienten mit Gebührenbescheiden zu konfrontieren.“ Dazu wäre die Verwaltung rechtlich verpflichtet. Um sich Zeit für eine Lösung zu verschaffen, wurde daher seit Inkrafttreten der aktuellen Gebührenordnung im Sommer vergangenen Jahres die Abrechnung ausgesetzt und die Liquiditätslücke mit Krediten in Höhe von bislang 30 Millionen Euro gestopft. Indem die Abrechnung wiederaufgenommen wird, könne zudem ein Nachtragshaushalt verhindert und eine negative Auswirkung auf die Kreisumlage verhindert werden. Wie hoch die finanziellen Auswirkungen dieser Kreditaufnahmen sind, möchte die Verwaltung bis zur Kreistagssitzung ermitteln.
Aus der Politik gab es Lob für die Verwaltungsspitze für die Verhandlungen und das erzielte Ergebnis. Regina Billstein (SPD) sagte, dass die Situation „gut gemeistert“ worden sei und nun wieder finanzielle Sicherheit geschaffen wurde. Marie Brück (Grüne) sagte, dass „das Klinomobil zum Kern des Sicherheitsgefühls“ dazugehöre und die Lösung dementsprechend wichtig sei. Wolfgang Brelöhr (SPD) erneuerte sein Unverständnis darüber, dass die Krankenkassen ausgerechnet beim Rettungsdienst sparen wollen, der in der Gesamtkalkulation bei den Kassen nur einen geringen Teil ausmache.
Landrat Grootens machte noch einmal deutlich, dass es für ihn keine Fehlfahrten im Rettungsdienst gebe. „Der Rettungsdienst tut viel Gutes!“ Und wenn er rausfährt und es den Patienten wieder so gut gehe, dass sie nicht ins Krankenhaus transportiert werden müssen, sei das für Grootens ebenso wenig eine Fehlfahrt wie wenn der Rettungsdienst beispielsweise bei einem Unfall um das Leben eines achtjährigen Radfahrers kämpfe, dieser aber trotzdem noch am Unfallort verstirbt und er nicht mehr ins Krankenhaus kommt.
Generell stieß der Landrat auch eine Diskussion um den Rettungsdienstbedarfsplan an. Man werde sich fragen müssen, was am Ende noch bezahlbar sei und welche Standards für alle vorausgesetzt werden sollen. Er bemängelte da große Unterschiede zwischen den Ländern. So reiche es in Niedersachsen beispielsweise, dass der Rettungsdienst innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort ist. Im ländlichen Raum in Nordrhein-Westfalen sind zwölf Minuten vorausgesetzt, was eine enorme Auswirkung habe auf die Anzahl von Rettungswachen und Fahrzeugen. Aufgrund dieser Grundlage entstehen aktuell im Oberbergischen diverse neue Wachen beziehungsweise sind sie geplant. „Diese Standarddiskussion muss geführt werden, sonst fliegt uns das System um die Ohren.“
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