KULTUR
Von der Evolution bis zur zerstörten Idylle
Waldbröl - WKTheater zeigte in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums die Stücke „Gott ist schwarz“ und „Die Kurve“.
Von Vera Marzinski
Gleich zwei Stücke an einem Abend hat das WKTheater in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums am Samstag geboetn – und die hatten es in sich. Auf dem Programm stand zum einen die Lesung beziehunsgweise Kurzdrama von Dario Fo unter dem Titel „Gott ist schwarz“ mit Sabine Krieg und Thorsten Schmidt, zum anderen Tankred Dorsts Farce „Die Kurve“ um zwei psychisch reduzierte Brüder mit Leif Schulmeistrat, Ralf Tenbrake und Kaspar J. Zekorn und eine todbringende Kurve.
Seit über 30 Jahren unterhält das WKTheater wie auch der Waltbröler Kulturtreff das Publikum. Immer mit sehr ausgewählten Theaterstücken. Diesmal wählte Regisseur Thorsten Schmidt zwei Stücke, die wahrlich keine leichte Kost sind.
„Gott ist schwarz“ ist einer der letzten großen Theatertexte von Dario Fo (1926-2016), in dem er die Form eines antiken Streitgesprächs imitiert. Dabei geht es zunächst um die Frage, wie der Mensch entstanden sei, und ob religiöse Betrachtung und wissenschaftliches Denken sich ergänzen oder widersprechen würden. Es werden mal eben einige Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte abgehandelt - ausgehend von der Erkenntnis, dass Gott schwarz sein muss, über die Einsicht, dass der Mensch seine Existenz einer Kette von Fehlern verdankt, bis hin zur Prognose, dass den Klimakollaps nur überlebt, wer schon immer in ihm gelebt hat.
[Thorsten Schmidt und Sabine Krieg nehmen die Diskussion in der Lesung „Gott ist schwarz“ hervorragend auf – mit zusätzlichen ironischen Seitenhieben.]
"Gott ist schwarz!" ist satirisch-bissige Sprach- und Sprechkunst, die Thorsten Schmidt und Sabine Krieg hervorragend umsetzen – und noch ein paar aktuelle Seitenhiebe mit einbauen. So wie Elon Musk, der bei einem Blackout auch nur noch sein Geld sinnlos aus dem Fenster werfen könne. Das Leben verlaufe nie gradlinig, die Evolution sei eine einzige Kurve.
Und schon ist man im ersten Teil von „Die Kurve“ des deutschen Dramatikers und Schriftstellers Tankred Dorst (1925-2017). Der Einakter fängt in Waldbröl rund 20 Minuten vor der Pause an und wird danach noch intensiver. Es geht um eine steile, unbefestigte Kurve einer Gebirgsstraße in der Nähe des Wohnortes der beiden Brüder Anton (Kaspar J. Zekorn) und Rudolf (Leif Schulmeistrat). Dort stürzen permanent Autos ab - und stets verunglücken die Insassen tödlich.
[Brillant ist der Disput zwischen Ralf Tenbrake (Ministerialdirigent Kriegbaum, li.) und Leif Schulmeistrat (Anton) in „Die Kurve“.]
Rudolf hat sich das Instandsetzen demolierter Fahrzeuge autodidaktisch angeeignet und verdient mit dem Verkauf den Lebensunterhalt der beiden. Anton hingegen hat studiert und schreibt Leichenreden – und Eingaben ans Ministerium. Als sie sich über die vielen vergeblichen Eingaben an das Ministerium für Straßenbau entrüsten, die Anton eigenhändig geschrieben hat – mittlerweile 24 -, stürzt schon wieder ein Auto den Felsen herunter. Beim Blick in die Papiere des Verunglückten stellen die Brüder fest: es ist der Ministerialdirigent Kriegbaum (Ralf Tenbrake), an den die Eingaben gingen. Aber der vermeintlich Tote schlägt die Augen auf und findet die Sprache wieder.
Die drei Darsteller gehen grandios in ihren Rollen auf. Brillant der Disput zwischen Schulmeistrat (Rudolf) und Tenbrake (Kriegbaum). Tankred Dorsts Debutstück aus dem Jahre 1960 hat von seiner Hinterhältigkeit nichts eingebüßt – und das WKTheater kitzelt die Bösartigkeiten auf beängstigend überzeugende Weise heraus.
In insgesamt fünf Aufführungen sind die beiden Stücke zu sehen, die nächsten finden am Mittwoch, Freitag und Samstag, 2., 4. und 5. April, jeweils um 20 Uhr statt.
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